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Bevölkerung

Wer lebt eigentlich in Nepal?

Nepal hat ca. 28 Mio. Einwohner, was eine durchschnittliche Besiedlung von 184 Einwohnern/km2 bedeutet. Zu bedenken ist, dass weite Teile des Landes unbewohnbar sind und in den Hauptballungsgebieten eine viel höhere Bevölkerungsdichte herrscht, wie jedermann merken wird, der sich durch Kathmandus Altstadt zwängt. Kathmandu ist die dicht besiedeltste Stadt mit mehr als 3000 Einwohnern/km2. Jährlich verzeichnet sie einen Zuwachs von ca. 15 Prozent.

Nepals Bevölkerung bildet keine homogene ethnische Gruppe, stattdessen gibt es offiziell mindestens 36 (jedoch eher ca. 100) verschiedene Volksgruppen, Stämme und Völker, die zum grossen Teil ihre eigene Sprache sprechen und eigene Traditionen pflegen. Der Begriff “Nepalese” ist daher im strengen Sinne etwa genauso vage wie das Wort “Europäer”.

Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei ca. 50 Jahren. Im Gegensatz zu den Industrienationen, wo sich Frauen als langlebiger erweisen, kommen sie in Nepal schlechter davon. Wenn Frauen aber trotz ihrer grösseren physischen Robustheit vor den Männern das Zeitliche segnen, drängt sich der Verdacht einer gesundheitlichen Diskriminierung auf. In der Tat ist aus vielen extrem patriarchalisch ausgerichteten Gesellschaften bekannt, dass die dort praktizierende gesundheitliche Vernachlässigung von Mädchen und Frauen deren Todesrate in die Höhe schnellen lässt. Die relativ niedrige Lebenserwartung spiegelt die schlechte medizinische Versorgung des Landes wider, in dem auf einen Arzt theoretisch bis zu 30 000 Patienten zu kommen. Mit dieser Zahl ist Nepal das Schlusslicht in Asien, auch was die hohe Kindersterblichkeit anbelangt. Die Sterblichkeitsrate bei Müttern (maternal mortality rate/MMR) ist immens hoch und damit sogar die höchste in der Welt. Neunzig Prozent der werdenden Mütter gebären noch unter einfachsten Bedingungen zu Hause. Nicht allein die finanzielle Seite spiegelt das Problem der ärztlichen Versorgung wider, sondern genauso der Mangel an Ärzten, die nicht bereit sind, in die entlegenen Gebiete Nepals zu ziehen. Da jedoch Nepal bei weitem mehr als Kathmandu ist, und das „wahre“ Nepal auf dem Land zu finden ist, ist medizinische Versorgung in den entlegenen Gebieten kaum gegeben.

Mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 150-200 US Dollar ist Nepal das zweitärmste Land Asiens und eines der zehn ärmsten Länder der Welt. Selbst der im Westen als so rückständig betrachtete Nachbar Indien liegt noch weit davor.

Nepal ist ein Agrarland mit wenig Industrie. Etwa 90 % der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig. Es gibt eine in der Hauptsache auf lokale Selbstversorgung gerichtete Viehzucht. Charakteristisch ist der Terrassenanbau auf steilen Hängen mit 30 Grad Neigung und mehr.

Der unfreiwillig grösste Exportartikel ist fruchtbare Erde. Millionen Tonnen von Erde tragen die grossen Ströme, die alle im Himalaya entspringen, jährlich in die indischen Ebenen hinunter. Das einst bis auf Mittelgebirgshöhe mit Wäldern bestückte Land wurde abgeholzt für Brennmaterial für die eigene Bevölkerung und ständig wachsende Schar von Trekking Touren sowie begehrtes Bauholz für den Export. Von den entstandenen Odflächen trägt der Monsunregen den dünnen Mutterboden ab und transportiert ihn in reissende Flüsse, Bäche und Ströme, die schliesslich wie alle Flüsse des Landes in den Ganges münden. Neben dem Brenn- und Erwerbsholzschlag tritt ausserdem das Problem der rasch wachsenden Bevölkerung auf, die für ihre Ernährung ständig neue Anbauflächen braucht, dieses Land aber beim nächsten Monsun wieder an einen der Flüsse verliert...

Die Häuser sind von grosser Einfachheit und haben meist 3 kleine, enge Stockwerke. Haustiere haben selten einen eigenen Stall und sind meist im Erdgeschoss der Häuser untergebracht. Auch landwirtschaftliche Vorräte werden im Haus gelagert, da eigene Speicher oder Keller kaum bekannt sind. Die Häuser sind in der Regel sehr dürftig ausgestattet. Auf dem Lehmboden liegen ein paar Strohmatten, die als Sitzgelegenheit und Schlafstätte dienen. Der Mittelpunkt des nepalischen Hauses ist die offene Feuerstelle.

Frauen haben in Nepal eine sehr widersprüchliche Rolle. Sie werden einerseits sehr respektvoll, gerade als Mütter, behandelt, stehen aber andererseits immer unter einer Fuchtel. Zuerst ist der Vater der Boss, später der Ehemann, am Schluss der Sohn. Die Frau zieht grundsätzlich in das Haus des Mannes zu den Schwiegereltern, wo sie als bessere Dienerin anfängt und pro Sohn die Erfolgsleiter aufsteigen kann. Mit 25 gilt eine Frau in Nepal als alt und fast nicht mehr zu verheiraten. Die Grossfamilie über drei Generationen ist die Norm. Ein grosses Problem ist der Verkauf nepalesischer Frauen an indische Bordelle. Ihre Zahl dort wird auf 150 000 geschätzt.

Bis 1951 gab es fast keine Schulen. Das hat sich heute sehr verbessert, doch immer noch sind mehr als 75 % der Frauen und 45 % der Männer Analphabeten. Der Schulunterricht ist bis zur 6. Klasse Pflicht und an den staatlichen Schulen kostenlos, aber im Gebirge von vielen Familien nur schwer zu bewerkstelligen. Die Entfernungen sind zu oft zu gross, und die Kinder, vor allem die Mädchen, werden dringend bei der Arbeit im Haus und auf dem Feld gebraucht. Ausserdem: warum sollte man lesen und schreiben lernen, wenn doch nie ein Buch oder eine Zeitung ins Dorf kommt? Lehrer sind schlecht ausgebildet und bezahlt und dementsprechend oft unmotiviert. Unterrichtssprache ist Nepali, in der Stadt auch Englisch. 

Die hinduistisch-nepalesische Gesellschaft ist in verschiedene, in sich geschlossene Gemeinschaften gegliedert, die von den Portugiesen castas genannt wurden (castos=rein). So sanft der Glaube der Menschen ist, so brutal ist ihr Kastensystem. Je höher die Kaste, desto hellhäutiger sind in der Regeln ihre Mitglieder. Selbst die Anordnung der Häuser in einem Dorf richtet sich nach der jeweiligen Kastenzugehörigkeit. Es kristallisierten sich vier Hauptkasten mit schätzungsweise 2000-3000 Unterkasten heraus, jede für sich mit einer eigenen Sitten- und Sozialordnung. An höchster Stelle stehen die Brahmanen, aus deren Reihen die Priester und Gelehrten hervorgehen. Ihnen folgen die chetri und thakur, zu denen die Adligen, Krieger, Politiker und Beamte zählen. Zu der dritten Gruppe gehören die vaishyas, die Bauern, Handwerker, Händler und Künstler. Die niedrigste Kaste bilden die shudras, die Arbeiter, Handlanger und Dienstboten. Als kastenlos und unrein gelten jene Menschen, die durch ihre Arbeit mit Blut, Schmutz oder Tod in Berührung kommen. Sie unterteilen sich wiederum in verschiedene Berufsgruppen. Mehr an das vererbte Gewerbe oder Handwerk gebunden sind z.B. Schneider und Musikanten, Grobschmiede, Goldschmiede, Töpfer, Leder- und Schuhmacher oder Strassenkehrer. Es ist streng festgelegt, was gegessen und getrunken, wen man heiraten, mit wem man essen oder mit wem man gesellschaftlich verkehren darf. Beim Essen müssen die Brahmanen strenge Reinheitsgebote beachten. Bei Festlichkeiten wird zuerst den Brahmanen serviert, dann erst dürfen die anderen speisen. Als unrein gelten die Ausscheidungen des Körpers, weshalb sich Toiletten in nepalischen Häusern nur langsam durchsetzen. Die linke Hand gilt schliesslich auch als unrein, weil kein Toilettenpapier, sondern lediglich die Hand und Wasser zur Reinigung dienen. Unrein sind des Weiteren abgeschnittene Fussnägel und Haare. Materialien, die im Alltag Gebrauch finden, werden ebenfalls nach Reinheitsgraden unterschieden. Seide ist z.B. reiner als Baumwolle und Gold reiner als Kupfer. Für Mitglieder hoher Kasten gelten auch niedrige Gedankenformen als unrein sowie Menschen, die sich nicht beherrschen können.

Dieses für den Aussenstehenden mysteriöse Denken wird etwas verständlicher, wenn man sich mit der hinduistischen Philosophie auseinandersetzt, nach der niedrige Denk- und Lebensformen höher stehende Lebewesen in ihrem körperlichen und seelischen Wohlbefinden eher beeinträchtigen als umgekehrt. Um sich von Unreinheiten, die einem durch einen bestimmten Menschen oder Materialien anhaften, zu befreien, sind Priester notwendig, die auf Reinigungsriten spezialisiert sind. Allerdings können Unreinheiten, die man auf Grund seines Karmas auf sich geladen hat, nur durch gute Taten getilgt werden. Zwar ist das Kastensystem in Nepal seit 1963 laut Verfassung aufgehoben, doch seine inoffiziellen Gesetze, die seit 2000 Jahren Gültigkeit haben, wirken weiterhin in Familie und Öffentlichkeit. Das Kastensystem ist nach wie vor stark Gesellschaft bestimmend, zumal die Kastenzugehörigkeit durch den Familiennamen verraten wird.